Once in a life-time

Einmal im Leben…

Fünf Tage lang habe ich Jon Kabat-Zinn erleben dürfen. Ich finde ihn wundervoll. Er hat einen tollen Humor.

„Do you breathe?“ – Yes – „So you breathe. Then there comes a text message oder a call – whatever – that disturbs you > flup: DEAD. Who is breathing?“

Bei noch keinem anderen Retreat habe ich so viel gelacht – bisher habe ich aber auch bei noch keinem anderen Retreat so viel geredet. Und all das auch noch komplett in Englisch. Ein wenig hatte ich schon Sorge, dass ich nicht allem werde folgen können. Doch in Summe waren es lediglich zwei Wörter, die ich nicht verstanden habe – und eines davon habe ich mir aus dem Kontext noch herleiten können. Envy – Neid, Feast – Schlemmen…

Jon hat eine starke Präsenz. Wenn er mit Dir spricht – und er hat mit jedem gesprochen, der ihn sprechen wollte -, hat er Dir vollständig zugehört. Lob, Komplimente und Danksagungen hat er nicht einfach nur entgegengenommen. Er hat sie in sich aufgesogen, auf sich wirken lassen mit der Hand auf dem Herzen, und sich aus tiefster Tiefe dafür bedankt. Er möchte diese Worte nie selbstverständlich für sich werden lassen, sondern wirklich immer vollständig wahrnehmen.

Bei solchen Gelegenheiten hat er immer wieder über die Gefahr gesprochen, sich durch solch „Lobhudeleien“ auf einem Sockel wiederzufinden. Vielen Lehrern passiert genau dies. Sie nehmen die Projektionen ihrer Schüler für wahr und denken dann irgendwann, sie seien etwas so Besonderes. Es ist schon harte Arbeit, dem zu widerstehen. Er stellt sich dieser Arbeit mit Gewahrsein und Bewusstheit.

Nicht nur darüber hat er gesprochen, sondern natürlich auch viel über mindfulness und darüber, dass er mit der Übersetzung „Achtsamkeit“ nicht ganz so glücklich ist. Der Begriff „Gewahrsein“ trifft es wohl genauer. Außerdem steht in den asiatischen Sprachen das Wort „mind/Geist“ gleichzeitig auch für „Herz“. Beim Gewahrsein, bei der Achtsamkeit ist also immer auch das Herz dabei.

Achtsamkeit birgt zu sehr Aufmerksamkeit in sich. Gewahrsein ist größer, allumfassender. Man kann Gewahrsein auch in die Bestandteile wahr und sein – wahrhaftig und sein – wahrhaftig sein aufteilen. Auch das trifft die Definition von „Achtsamkeit“ viel besser, nämlich vollständig im Moment anwesend zu sein, alles annehmen, was ist, ohne zu be- oder verurteilen – eben nur sein.

Die fünf Tage kamen mir aufgrund der Fülle viel länger vor. Es war eine intensive Zeit, die noch lange in mir nachwirken wird. Ich bin sehr froh, diese Chance gehabt zu haben, Jon erleben zu dürfen.

Mögen wir Menschen zur Besinnung kommen°.